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Hier wer­den ver­schie­dene Grup­pie­run­gen vor­ge­stellt, die im Zusam­men­hang mit Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen ste­hen und oft auch völ­kisch-auto­ri­täre Welt­bil­der ver­tre­ten. Diese Rubrik wird ste­tig mit zusätz­li­chen Inhal­ten erwei­tert.

Trig­ger­war­nung:
Bei der Beschrei­bung die­ser Grup­pie­run­gen kön­nen men­schen­ver­ach­tende und dis­kri­mi­nie­rende Inhalte genannt wer­den. Eine detail­lierte Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen The­men ist wich­tig, um die Struk­tu­ren und Gefah­ren sol­cher Grup­pie­run­gen zu ver­ste­hen.

Die Ana­sta­sia-Bewe­gung hat ihren Ursprung in Russ­land und ver­knüpft eso­te­ri­sche mit anti­se­mi­ti­schen, völ­ki­schen und anti­fe­mi­nis­ti­schen Ideo­lo­gien. Sie beruht auf den Büchern des rus­si­schen Autos Wla­di­mir Megre, in denen die fik­tive Haupt­fi­gur ‚Ana­sta­sia‘ als gott­ähn­li­cher Mensch beschrie­ben wird. In der zehn­bän­di­gen Roman­reihe wird das natur­ver­bun­dene spi­ri­tu­elle Leben von Ana­sta­sia dar­ge­stellt und gleich­zei­tig das moderne, urbane und hoch­tech­ni­sierte Leben kri­ti­siert. In den Büchern lebt Ana­sta­sia in der rus­si­schen Taiga im Ein­klang mit der Natur. Sie kann unter ande­rem mit Tie­ren spre­chen, tele­por­tie­ren, tele­pa­thisch kom­mu­ni­zie­ren, ist all­wis­send und kann mit­hilfe ihres ‚Strahls‘ andere Men­schen wär­men, hei­len und deren Wil­len beein­flus­sen. Laut Megre könn­ten alle Men­schen diese Fähig­kei­ten besit­zen, wenn sie sich vom moder­nen, tech­ni­sier­ten Leben los­sa­gen, zu ihrem ‚Natur­zu­stand‘ zurück­keh­ren und auf dem Land nie­der­las­sen. Megre behaup­tet in sei­nen Büchern, dass Ana­sta­sia eine reale Per­son sei, mit der er eine Fami­lie grün­det. Der Autor sagte aller­dings in einem Gerichts­pro­zess in Russ­land, in dem sich eine Frau als Ana­sta­sia aus­ge­ge­ben hatte, aus, dass es sich bei der Figur um eine fik­tive Gestalt han­dele. Die Buch­reihe ent­hält eine Reihe von ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen, ras­sen­ideo­lo­gi­schen, anti­se­mi­ti­schen, anti­fe­mi­nis­ti­schen, para­wis­sen­schaft­li­chen, eso­te­ri­schen und neu­re­li­giö­sen Inhal­ten. So gibt es in der Welt der Ana­sta­sia einen ‚Ober­pries­ter‘, der das Böse in die Welt bringt, das Gesche­hen der Welt aus dem Hin­ter­grund lenkt und die im Staat leben­den Men­schen zu sei­nen Sklav:innen macht. Der ‚Ober­pries­ter‘ habe Juden:Jüdinnen zu sei­nen Soldat:innen gemacht, um die Herr­schaft über die Men­schen zu ergrei­fen. Hier wird nicht nur das ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Gut-Böse-Sche­mata, son­dern auch die anti­se­mi­ti­sche Aus­rich­tung der Buch­reihe deut­lich. Wei­ter­hin trifft der Autor auch ras­sen­ideo­lo­gi­sche und anti­fe­mi­nis­ti­sche Aus­sa­gen: Er beschreibt durch ‚Dun­kel­kräfte‘ her­vor­ge­ru­fene Ver­füh­rung von Män­nern durch Frauen, stark tra­dierte Geschlech­ter­rol­len sowie das Kon­zept der ‚Tele­go­nie‘, wonach der erste Sexu­al­part­ner einer Frau das Aus­se­hen und den Cha­rak­ter ihrer Kin­der bestimme. Als Nach­weis führt Megre schwarze Kin­der wei­ßer Eltern an, deren Müt­ter oder Groß­müt­ter Geschlechts­ver­kehr mit einem schwar­zen Mann gehabt hät­ten. In Russ­land und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern, aber auch in Deutsch­land, haben sich in den letz­ten Jah­ren Lese­kreise zu den Büchern sowie die soge­nann­ten ‚Ana­sta­sia-Fest­spiele‘ als jähr­li­ches Sze­ne­tref­fen gegrün­det. Beson­ders unter Reichsbürger:innen und völ­ki­schen Siedler:innen ist die Ana­sta­sia-Bewe­gung beliebt. Anhänger:innen fin­den sich vor allem im länd­li­chen Raum bei Per­so­nen, die sich von der hoch­tech­ni­sier­ten Gesell­schaft ent­frem­det füh­len. Der­zeit (2025) gibt es in Deutsch­land etwa zwan­zig der soge­nann­ten ‚Fami­li­en­land­sitze‘.

Quellen und weiterführende Links

Bun­des­mi­nis­te­rium für Fami­lie, Senio­ren, Frauen und Jugend. (2024). Men­schen­feind­li­che Eso­te­rik.

Demo­kra­tie­zen­trum Hes­sen. (2024). Ana­sta­sia Bewe­gung.

Hell­wig, M. (o.J.). Söhne und Töch­ter der Taiga. Zur völ­kisch-eso­te­ri­schen Ana­sta­sia-Bewe­gung. Fach­stelle Radi­ka­li­sie­rungs­prä­ven­tion und Enga­ge­ment im Natur­schutz.

Noffke. O. (2020). Was ist die Ana­sta­sia-Bewe­gung? tagesschau.de.

Pöhl­mann, M. (2018). Ahnen­wis­sen und Zedern­pro­dukte. Die Ana­sta­sia-Bewe­gung ver­brei­tet anti­se­mi­ti­sches Gedan­ken­gut, (7), S. 36-29.

Das anti­fe­mi­nis­ti­sche Res­sen­ti­ment schiebt ‚den Frauen‘ die Ver­ant­wor­tung für das Allein­sein und das ‚unfrei­wil­lig zöli­ba­t­äre Leben‘ ein­zel­ner Män­ner zu. Dar­aus lei­tet sich der Name einer haupt­säch­lich im Inter­net ver­brei­te­ten Grup­pie­rung namens Incel (Incels = Invol­un­t­ary celi­bats) ab. Nicht kri­ti­sche Selbst­re­fle­xion, son­dern Pro­jek­tio­nen füh­ren zur strik­ten Ableh­nung unter­schied­li­cher sexu­el­ler Iden­ti­tä­ten, von Femi­nis­mus und Gen­der Main­strea­ming. Auch Gewalt gegen Frauen gilt in den Krei­sen der Incel-Online­com­mu­nity als hel­den­haf­ter Akt der Not­wehr von Män­nern, die sich damit zu Mär­ty­rern sti­li­sie­ren.

Incels gehen ins­be­son­dere von zwei Annah­men aus: Ers­tens glau­ben sie, nicht dem männ­li­chen Ide­al­bild zu ent­spre­chen und auf­grund von Äußer­lich­kei­ten, ‚zu klein‘ oder ‚unat­trak­tiv‘ zu sein und von den Frauen der libe­ra­li­sier­ten Welt abge­lehnt zu wer­den. Dabei pro­pa­gie­ren sie die angeb­li­che Unter­drü­ckung von Män­nern auf­grund von unat­trak­ti­vem Aus­se­hen als vor­herr­schende Dis­kri­mi­nie­rungs­form. Diese Denk­form wird als soge­nannte ‚Black Pill Theo­rie‘ bezeich­net, die ange­lehnt an eine Szene des Films ‚Matrix‘ (1999), auf die eli­täre Erkennt­nis einer ver­bor­ge­nen Wahr­heit ver­weist: „Nur wenige erken­nen, dass die Welt wirk­lich so ist, wie wir Wis­sen­den es bereits erkannt haben“. Die zweite Annahme ist, dass Incels auf Grund ihres männ­li­chen Geschlechts einen Anspruch auf Frauen bzw. Lie­bes­be­zie­hun­gen mit Frauen und Sexua­li­tät mit ihnen hät­ten. Die­ser Anspruch würde ihnen durch die Frauen jedoch aus Grün­den der Macht­aus­übung dau­er­haft ver­wehrt. Im Kern wer­ten sie Frauen ab, um sich selbst auf­zu­wer­ten. Für ihre (sexu­elle) Erfolgs­lo­sig­keit bei Frauen machen sie ‚den Femi­nis­mus‘ ver­ant­wort­lich.

Diese Annah­men füh­ren zu erhöh­tem Frust und Hass auf Frauen (Miso­gy­nie), der eng mit Gewalt­fan­ta­sien ver­knüpft ist und anti­fe­mi­nis­ti­sche Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gie för­dert. Incels gehen von drei Klas­sen von Män­nern aus: Attrak­tive Män­ner, ‚Alphas‘ oder ‚Chads‘ genannt ste­hen ganz oben, danach fol­gen ‚Nor­mies‘, nor­male Män­ner und zuletzt die Incels als Ver­lie­rer­gruppe.

Incels orga­ni­sie­ren und tref­fen sich in Inter­net­fo­ren in wel­chen sich die Bewe­gung durch pro­pa­gie­ren und dis­ku­tie­ren von Gewalt­fan­ta­sien in Form von Tex­ten, Bil­dern, Video und Memes zuneh­mend radi­ka­li­siert.

Pegida, kurz für ‚Patrio­ti­sche Euro­päer gegen die Isla­mi­sie­rung des Abend­lan­des‘, ist eine (antimuslimisch-)rassistische, völ­kisch-auto­ri­täre Orga­ni­sa­tion. Sie ver­an­stal­tete von Okto­ber 2014 bis Okto­ber 2024 in Dres­den und anfangs auch ande­ren Orten Demons­tra­tio­nen gegen eine von ihr behaup­tete ‚Isla­mi­sie­rung‘ sowie die Ein­wan­de­rungs- und Asyl­po­li­tik Deutsch­lands und Euro­pas. Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den der Län­der wie­sen auf rechts­extreme Ten­den­zen bei Pegida selbst und ihren Able­gern hin. Seit Mai 2021 wird die Bewe­gung durch das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz Sach­sen als ‚erwie­sen extre­mis­ti­sche Bestre­bung‘ ein­ge­stuft und beob­ach­tet. Im Okto­ber 2024 ver­kün­dete der mehr­fach wegen Volks­ver­het­zung und Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen ver­ur­teilte Pegida-Mit­be­grün­der und Vor­sit­zende Lutz Bach­mann, dass es immer schwie­ri­ger werde, Mit­glie­der für die Orga­ni­sa­tion zu gewin­nen, sodass diese vor dem Aus stünde. Trotz die­ser Aus­sage wies er auf neue Pläne hin, es brau­che ‚neue Macher‘ und neue Kon­zepte wie Pod­casts, Radio oder TV.

Auf Pegida-Demons­tra­tio­nen wurde immer wie­der auf die über­grei­fende Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung des Gro­ßen Aus­tauschs hin­ge­wie­sen. Ins­ge­samt radi­ka­li­sierte sich die Bewe­gung seit 2015 und ver­klei­nerte sich seit Ende des­sel­ben Jah­res hin­sicht­lich der Teilnehmer:innenzahlen kon­ti­nu­ier­lich. Ähn­li­che, klei­nere Demons­tra­tio­nen fan­den in zahl­rei­chen deut­schen Städ­ten statt, zum Teil durch rechts­extreme Per­so­nen oder Grup­pie­run­gen ange­mel­det und orga­ni­siert.

Die QAnon (kurz: ‚Q‘) ist eine lose Bewe­gung, die auf Image­boards und Sozia­len Medien zunächst vor allem durch das Umfeld von Donald Trump Unter­stüt­zung erfuhr. Sie ver­brei­tet Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen mit teil­weise extrem rech­ten und anti­se­mi­ti­schen Inhal­ten: Dar­un­ter fällt ins­be­son­dere die Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung von einem ver­meint­lich gehei­men ‚tie­fen Staat‘ (‚Deep State‘), der aus einer ver­dor­be­nen Elite, aus der demo­kra­ti­schen Par­tei, Ban­ken und Medien bestehe, die heim­lich über die USA herrsch­ten. Ihnen wer­den sata­nis­ti­sche, sadis­ti­sche und pädo­phile Hand­lun­gen unter­stellt. Damit ver­bun­den ist die Erzäh­lung von einem eli­tä­ren Kin­der­händ­ler­ring, der Kin­der in unter­ir­di­schen Gefäng­nis­sen fest­hält um ihnen ‚Adre­no­chrom‘ (ein Stoff­wech­sel­pro­dukt des Adre­na­lins) abzu­zap­fen um davon high zu wer­den oder ihr Leben zu ver­län­gern.

Die Bewe­gung QAnon, wobei Anon für ‚anonym‘ steht, ent­stand 2017 auf der Inter­net­platt­form 4chan durch einen User der sich Q nennt und eine kryp­ti­sche Nach­richt über eine ver­meint­li­che Ver­haf­tung Hilary Clin­tons pos­tete. Um Q wurde eine Legende gespon­nen: Q soll über Infor­ma­tio­nen aus dem inners­ten Kreis der US-Regie­rung und Geheim­diens­ten ver­fü­gen. Wer hin­ter Q steht, ob es sich um eine oder meh­rere Per­so­nen han­delt, ist unbe­kannt. Seit 2019 wird die Bewe­gung von der US-Bun­d­e­po­li­zei als inlän­di­sche Ter­ro­ris­mus­ge­fahr ein­ge­stuft.

Wäh­rend sich die Ver­bin­dun­gen der QAnon-Bewe­gu­ung nach Deutsch­land zunächst auf Rechts­ra­di­kale und Teile der Reichsbürger:innenszene beschränk­ten, wur­den die Behaup­tun­gen der ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Grup­pie­rung in den Pro­tes­ten gegen die Coro­na­maß­nah­men immer popu­lä­rer.

Die Mit­glie­der der Quer­den­ken-Bewe­gung, die im Früh­jahr 2020 im Kon­text der begin­nen­den Coro­na­pan­de­mie gegrün­det wurde und die haupt­säch­lich in der Zeit der Pan­de­mie aktiv waren, stel­len ins­be­son­dere die Gefähr­lich­keit oder gar die Exis­tenz des Coro­na­vi­rus in Frage. Die selbst­er­nann­ten Querdenker:innen rekla­mie­ren mit ihrer Selbst­be­zeich­nung den Begriff des ‚Quer­den­kens‘ im Sinne des ‚unkon­ven­tio­nel­len Den­kers‘ und des ‚Frei­geis­tes‘ allein für ihre Sicht­wei­sen. Sie kri­ti­sie­ren staat­li­che Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie, leh­nen Schutz­imp­fun­gen ab und ver­bin­den diese ableh­nen­den Hal­tun­gen oft mit Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen und rechts­extre­men Ansich­ten. Zu die­sen Erzäh­lun­gen gehört die Behaup­tung, dass die Coro­na­pan­de­mie absicht­lich her­bei­ge­führt oder künst­lich über­trie­ben wor­den sei, um Regie­run­gen die Kon­trolle über die Bevöl­ke­rung zu erleich­tern. Wei­tere in der Bewe­gung ver­brei­tete Erzäh­lun­gen behaup­ten, dass Impf­stoffe schäd­lich seien oder Mikro­chips zur Über­wa­chung der Men­schen ent­hal­ten, dass 5G-Mobil­funk­netze gesund­heits­schäd­lich und zusätz­lich für die Ver­brei­tung von Corona ver­ant­wort­lich seien, dass eine geheime ‚Elite‘ im Hin­ter­grund eine Neue Welt­ord­nung eta­blie­ren wolle, und dass die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) die Sou­ve­rä­ni­tät ein­zel­ner Staa­ten unter­grabe (Deep State). Außer­dem wird behaup­tet, die offi­zi­el­len COVID-19-Todes­zah­len seien über­trie­ben wor­den, um Angst zu schü­ren. Dar­über hin­aus über­neh­men sie QAnon-Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen, wie zum Bei­spiel Piz­zagate.

Beson­ders ver­brei­tet in der Querdenker:innen-Szene, ist eine abge­wan­delte Vari­ante des ‚Juden­sterns‘, mit dem sich Jüdinnen:Juden im Natio­nal­so­zia­lis­mus kenn­zeich­nen muss­ten. Anstatt ‚Jude‘ zeigt die Anti-Impf Vari­ante den Schrift­zug ‚Unge­impft‘. Die­ser Ver­gleich, der die ver­meint­li­che staat­li­che Unter­drü­ckung gegen­über Unge­impf­ten dar­stel­len soll, ist geschichts­re­vi­sio­nis­tisch und ein Bei­spiel für Post-Shoa Anti­se­mi­tis­mus, da er die tat­säch­li­che Bedeu­tung und den Schre­cken der Shoa ver­harm­lost.

Die Bewe­gung hat mit der Gruppe ‚Quer­den­ken 711‘ ihren Ursprung in Stutt­gart von wo aus sie sich schnell in Form von loka­len Able­gern in ganz Deutsch­land ver­brei­tete. Ins­be­son­dere Online-Platt­for­men spiel­ten eine zen­trale Rolle in der Ver­brei­tung der Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen inner­halb der Quer­den­ken-Bewe­gung. So waren zunächst Insta­gram und You­Tube die bevor­zug­ten Medien, bevor die Bewe­gung sich auf­grund von Fak­ten­checks und der Löschung von Falsch­in­for­ma­tio­nen ver­stärkt auf Tele­gram ver­la­gerte. Dabei ent­wi­ckel­ten sich die von der Bewe­gung orga­ni­sier­ten Demons­tra­tio­nen und Online-Räume zu einem Sam­mel­be­cken für Rechts­extreme, Anghänger:innen von Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen, rechts­au­tori­täre Eso­te­rik­grup­pen und soge­nannte Reichsbürger:innen, die zu Tei­len die bun­des­deut­sche Ver­fas­sung ableh­nen.

Aus der Quer­den­ken-Szene her­aus kam es zu Angrif­fen auf Pressevertreter:innen, Politiker:innen und Poli­zei­be­amte sowie zu Sach­be­schä­di­gun­gen und Brand­an­schlä­gen, etwa auf Corona-Test­sta­tio­nen und das Robert Koch-Insti­tut. Ange­sichts die­ser Ent­wick­lun­gen begann der Ver­fas­sungs­schutz im Dezem­ber 2020 damit, Teile der Querdenker:innen-Grup­pen in eini­gen Bun­des­län­dern zu beob­ach­ten. Ab April 2021 wur­den die radi­ka­li­sier­ten Teile der Bewe­gung bun­des­weit als Beob­ach­tungs­ob­jekt ein­ge­stuft. Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz schuf dafür den neuen Phä­no­men­be­reich ‚Ver­fas­sungs­schutz­re­le­vante Dele­gi­ti­mie­rung des Staa­tes‘, um die ‚demo­kra­tie­feind­li­che und/oder sicher­heits­ge­fähr­dende Dele­gi­ti­mie­rung des Staa­tes‘ zu adres­sie­ren. Unter­schied­li­che Zweige der Quer­den­ken-Bewe­gung ste­hen im Fokus der Sicher­heits­be­hör­den, da sie durch ihre aktive Ver­net­zung mit Rechtsextremist:innen und durch Gewalt­hand­lun­gen eine Bedro­hung für die Demo­kra­tie dar­stel­len.

Quel­len und wei­ter­füh­rende Links

Eckert, S., Lei­pertz, S., Schmidt, C.. QUERDENKER. Wie sich Men­schen aus der Mitte radi­ka­li­sie­ren story.ndr.de.

Dittrich, F.. (2021).Die Quer­den­ken-Bewe­gung – zwi­schen Ver­schwö­rungs­my­then und Bür­ger­pro­test. Ver­fas­sungs­schutz BW

Das rechts­extreme reichs­ideo­lo­gi­sche Milieu (pau­schal: Reichsbürger:innen) umfasst unter­schied­li­che Grup­pen, Strö­mun­gen und Sub­milieus. Es erklärt die Welt anhand von ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen, anti­se­mi­ti­schen und men­schen­feind­li­chen Erzäh­lun­gen. Das Milieu besteht ins­be­son­dere aus selbst ernann­ten Reichsbürger:innen, die das Fort­be­stehen des Deut­schen Rei­ches pos­tu­lie­ren, aus Rechts­extre­men, die die Wie­der­her­stel­lung des Deut­schen Rei­ches in den Gren­zen von 1939 ver­tre­ten, aus Souveränist:innen, die die angeb­lich feh­lende Sou­ve­rä­ni­tät Deutsch­land wie­der­her­stel­len möch­ten, und aus Selbstverwalter:innen, die eigene Staa­ten oder König­rei­che aus­ru­fen und behaup­ten dadurch nicht mehr der deut­schen Ver­fas­sung zu unter­lie­gen.

Die ver­ei­nende ideo­lo­gi­sche Klam­mer aller Strö­mun­gen ist die Behaup­tung, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sei kein legi­ti­mer oder sou­ve­rä­ner Staat und die dar­aus begrün­dete Ableh­nung der BRD, ihrer Insti­tu­tio­nen und deren Vertreter:innen. Das Milieu ist der Auf­fas­sung, die Regie­rung arbeite gegen das Wohl des ‚deut­schen Vol­kes‘, auch des­halb, weil die Alli­ier­ten im Hin­ter­grund Deutsch­land besetzt hal­ten wür­den und die Bund­e­re­gie­rung in ihrem Auf­trag arbeite. Ein gro­ßer Teil des Milieus geht davon aus, dass eine kleine geheime ‚Elite‘ für die ‚kom­plette Misere‘ ver­ant­wort­lich sei und all­ge­mein die wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen des Welt­ge­sche­hens treffe. Diese ‚Elite‘ bestehe wahl­weise aus ‚dem glo­ba­len Finanz­ka­pi­tal‘, ‚den Zio­nis­ten‘, den ‚Roth­schild und Rocke­fel­lers‘. Dies sind Chif­fren, die ver­wen­det wer­den um nicht aus­drück­lich ‚den Juden:Jüdinnen‘ die Schuld zuzu­schrei­ben, die den­noch ein­deu­tig als Anti­se­mi­tis­mus zu erken­nen sind. Gene­rell knüp­fen Erzäh­lun­gen über eine ‚gehei­men Elite‘, die die Welt­be­völ­ke­rung steuere struk­tu­rell immer an die anti­se­mi­ti­sche Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung der ‚jüdi­schen Welt­ver­schwö­rung‘ an.

Immer wie­der gelan­gen Reichsbürger:innen mit dem Gesetz in Kon­flikt. Eines der in Deutsch­land pro­mi­nen­tes­ten Bei­spiele ist Peter Fit­zek der als Mit­be­grün­der des Ver­eins ‚Neu-Deutsch­land‘ das ‚König­reich Deutsch­land‘ (KRD) aus­rief und sich 2012 zum ‚König‘ krö­nen ließ. In der Über­zeu­gung, einen völ­ker­rechts­kon­for­men Staat gegrün­det zu haben ver­öf­fent­licht das KRD eine eigene Ver­fas­sung und baut eigene Struk­tu­ren auf, unter ande­rem die ‚Deut­sche Heil­für­sorge‘, eine ‚Ren­ten­kasse‘ oder die ‚König­li­che Reichs­bank‘. Das KRD behaup­tet eine tat­säch­li­che Alter­na­tive zur BRD zu sein und Men­schen durch ihre Mit­glied­schaft bei­spiel­weise von der Steu­er­pflicht und dem ‚inter­na­tio­na­len Finanz­sys­tem‘ zu ‚breifreien‘.

Dabei sind Reichsbürger:innen bei wei­tem kein neues Phä­no­men son­dern eine Bewe­gung die seit Kriegs­ende 1945 ver­sucht die Gren­zen des ‚deut­schen Rei­ches‘ wie­der­her­zu­stel­len.

In den öffent­li­chen Dis­kurs gelang die Reichsbürger:innen-Bewe­gung ver­stärkt mit dem Poli­zis­ten­mord in Geor­gens­münd 2016. Im Haus des Reichs­bür­gers Wolf­gang Plan soll­ten nach dem Ent­zug sei­ner Waf­fen­be­sitz­karte die Waf­fen beschlag­nahmt wer­den, wozu auf Grund ‚beson­de­rer Gefähr­dung‘ das SEK betei­ligt war. Plan schloss sich in mit griff­be­rei­ten Waf­fen ein klei­nes Zim­mer ein und eröff­nete den Schuss­wech­sel. Der Tod eines Beam­ten als Folge von Plans Schüs­sen brachte das Thema ‚Reichsbürger:innen‘ in die Schlag­zei­len.

Für gro­ßes Auf­se­hen spä­ter sorgte die Fest­nahme von Prinz Reuß im Dezem­ber 2022. Ihm wird vor­ge­wor­fen, als Anfüh­rer einer Reichsbürger:innen-Gruppe eine ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung gegrün­det zu haben. Die Anklage besagt, dass diese Gruppe plante, die staat­li­che Ord­nung in Deutsch­land durch ‚Reichs­tags-Stürme‘ gewalt­sam zu stür­zen und durch ein eige­nes Regie­rungs­sys­tem zu erset­zen.

Quel­len und wei­ter­füh­rende Links

https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/hintergruende/DE/reichsbuerger-und-selbstverwalter/reichsbuerger-staatssimulation.html

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2019/04/Reichsbuerger_Internet.pdf