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In die­sem Hör­spiel geht es um Ingrid, eine frisch pen­sio­nierte Frau, die nach Sinn im Leben und Lin­de­rung für ihre chro­ni­schen Schmer­zen sucht. Dabei wird sie schritt­weise in eso­te­ri­sche, pseu­do­me­di­zi­ni­sche und schließ­lich ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Wel­ten hin­ein­ge­zo­gen. Der Fall zeigt, wie aus harm­lo­sen Heil­stei­nen und Schutz­en­geln eine Über­zeu­gung wer­den kann, die Fami­li­en­be­zie­hun­gen belas­tet, medi­zi­ni­sche Hilfe ver­drängt und Feind­bil­der ent­ste­hen lässt. Toch­ter Anna erlebt die­sen Pro­zess haut­nah und ver­sucht, den Kon­takt nicht zu ver­lie­ren, ohne sich selbst auf­zu­ge­ben.

Das Hör­spiel-Skript steht als Down­load bereit.

Das Hör­spiel hat das Ziel …

… den schritt­wei­sen Pro­zess von Eso­te­rik hin zu Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gie und men­schen­feind­li­chen Welt­bil­dern nach­voll­zieh­bar zu machen,

… typi­sche Begriffe, Nar­ra­tive und Denk­fi­gu­ren aus dem eso­te­risch-pseu­do­me­di­zi­ni­schen Milieu zu erken­nen und ein­zu­ord­nen,

… die emo­tio­nale Belas­tung für Betrof­fene sicht­bar zu machen und Hand­lungs­per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen,

… auf spe­zia­li­sierte Bera­tungs­an­ge­bote für Betrof­fene und Fach­kräfte hin­zu­wei­sen.

Navi­ga­tion

Wäh­rend des Hör­spiels wer­den Begriffe und Erzäh­lun­gen genannt, die mög­li­cher­weise neu oder irri­tie­rend wir­ken. Zu all die­sen The­men fin­den Sie ver­läss­li­che, gut ver­ständ­li­che Infor­ma­tio­nen direkt hier auf die­ser Seite, sowie inner­halb die­ser Navi­ga­tion.

Im Hör­spiel geht es um Ingrid, sie ist frisch im Ruhe­stand und sucht nach Sinn und Gemein­schaft. Heil­steine, Tarot­kar­ten und der Glaube an Schutz­en­gel sind ihr ver­trau­ter Anker. Ingrids Geschichte steht für einen Weg, den einige Men­schen gehen: aus­ge­hend von harm­lo­sen spi­ri­tu­el­len Prak­ti­ken, über Pseu­do­me­di­zin, bis hin zu Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gie und men­schen­feind­li­che Welt­bil­der. Der Fall zeigt, wie die­ser Pro­zess schritt­weise ver­läuft, wie er Fami­lien belas­tet,  und was Betrof­fene und Fach­kräfte tun kön­nen

Eso­te­rik ist ein Sam­mel­be­griff für sehr unter­schied­li­che spi­ri­tu­elle Prak­ti­ken, Welt­bil­der und Tech­ni­ken, die behaup­ten, Zugang zu ‚ver­bor­ge­nen‘ Kräf­ten oder Wahr­hei­ten zu bie­ten. Dazu gehö­ren u.a. Astro­lo­gie, Tarot, Ener­gie­ar­beit und Heil­steine. Heil­stei­nen wird nach­ge­sagt, durch ihre ‚Schwin­gung‘ oder ‚Ener­gie‘ auf Kör­per und Geist zu wir­ken. Wis­sen­schaft­li­che Belege dafür gibt es nicht. Viele Men­schen nut­zen sie den­noch als per­sön­li­ches Ritual oder Trost­ob­jekt – das ist in der Regel unpro­ble­ma­tisch, solange sie nicht als Ersatz für eine evi­denz­ba­sierte medi­zi­ni­sche Behand­lung ver­stan­den wer­den.

Ingrid deu­tet ihre Schmer­zen nicht als medi­zi­ni­sches Pro­blem, son­dern als Bot­schaft ihrer Seele. Die Idee, dass Krank­heit eine tie­fere see­li­sche Bedeu­tung hat und vom Kör­per ‚kom­mu­ni­ziert‘ wird, ist ein zen­tra­les Ele­ment ver­schie­de­ner pseu­do­me­di­zi­ni­scher Erzäh­lun­gen. Sie kann dazu füh­ren, dass Men­schen not­wen­dige medi­zi­ni­sche Hilfe ableh­nen, weil sie davon über­zeugt sind, die ‚wahre Ursa­che‘ selbst fin­den zu müs­sen. Ein bekann­tes Bei­spiel für diese Denk­weise ist die Ger­ma­ni­sche Neue Medi­zin (mehr dazu ab Minute 08:40).

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Wel­che Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen sind aktu­ell rele­vant? 

Ingrid sagt, die ‚Schul­me­di­zin‘ wolle mit ihr nur Geld ver­die­nen.

Was ist ‚Schul­me­di­zin‘ – und warum ist der Begriff abwer­tend?
Der Begriff ‚Schul­me­di­zin‘ wird oft von Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern alter­na­tiv­me­di­zi­ni­scher Ansätze ver­wen­det, um die evi­denz­ba­sierte, wis­sen­schaft­lich über­prüfte Medi­zin abzu­wer­ten. Er impli­ziert, dass diese Medi­zin nur ‚aus­wen­dig gelernte‘ Regeln anwen­det, ohne wirk­lich zu hei­len – wäh­rend die eigene Methode als tie­fer­ge­hend, ‚natür­li­cher‘ oder wah­rer dar­ge­stellt wird.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Gesund­heits­be­zo­gene Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien

„Mir tut es gut – und es scha­det ja nie­man­dem“: Die­ses Argu­ment tritt häu­fig auf, wenn Men­schen eso­te­ri­sche oder alter­na­tiv­me­di­zi­ni­sche Prak­ti­ken ver­tei­di­gen. Und viele die­ser Prak­ti­ken, wie u.a. Räu­chern, Medi­tie­ren oder Atem­übun­gen kön­nen das Wohl­be­fin­den för­dern und sind für sich genom­men nicht schäd­lich. Pro­ble­ma­tisch wird es, wenn sie:

  • als Ersatz für not­wen­dige evi­denz­ba­sierte medi­zi­ni­sche Behand­lung genutzt wer­den,
  • mit dem Ver­spre­chen ver­bun­den wer­den, Krank­hei­ten zu hei­len,
  • den Ein­stieg in tie­fer­ge­hende pseu­do­me­di­zi­ni­sche oder ideo­lo­gi­sche Welt­bil­der dar­stel­len.

Das „Es scha­det doch nie­man­dem“ kann also stim­men – muss es aber nicht. Ent­schei­dend ist der Kon­text: Wofür wird die Pra­xis genutzt, und was ver­än­dert sie?

Wer im Inter­net nach Hei­lung sucht, bekommt schnell Inhalte ange­zeigt, die genau das bestä­ti­gen, was man bereits glaubt oder sich erhofft. Platt­for­men zei­gen bevor­zugt Inhalte, mit denen Nutzer:innen inter­agie­ren – oft emo­tio­nale, ein­fa­che oder scho­ckie­rende Inhalte.

Was fin­det man online?
Im Netz fin­den sich unzäh­lige Ange­bote, die Hei­lung ver­spre­chen: von Ernäh­rungs­rat­ge­bern und ‚Detox‘-Kuren über ‚natür­li­che Krebs­the­ra­pien‘ bis hin zu pseu­do­me­di­zi­ni­schen Erzäh­lun­gen wie die der Ger­ma­ni­schen Neuen Medi­zin. Viele die­ser Ange­bote sind pro­fes­sio­nell gestal­tet, wir­ken seriös und arbei­ten mit Erfah­rungs­be­rich­ten, die emo­tio­nal anspre­chen. Es kann schwer sein, ver­läss­li­che von irre­füh­ren­den Quel­len zu unter­schei­den.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Wie wer­den sie in Social Media und Pop­kul­tur ver­brei­tet?

Big Pharma ist ein Begriff, der die gro­ßen inter­na­tio­na­len Phar­ma­un­ter­neh­men beschreibt. Abseits von zu Tei­len legi­ti­mer Kri­tik, etwa an intrans­pa­ren­ter Preis­ge­stal­tung oder der Ver­nach­läs­si­gung von Erkran­kun­gen mit gerin­ger Kauf­kraft, wird Big Pharma zu einer umfas­sen­den Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung, wenn behaup­tet wird, dass die Phar­ma­in­dus­trie gezielt Heil­mit­tel unter­drü­cke, Krank­hei­ten absicht­lich erzeuge oder Men­schen krank halte, um Pro­fit zu machen. Diese Behaup­tun­gen sind nicht belegt und sie füh­ren dazu, dass Men­schen lebens­not­wen­dige Medi­ka­mente ableh­nen. Sie sind außer­dem häu­fig mit anti­se­mi­ti­schen Ste­reo­ty­pen ver­bun­den, was im spä­te­ren Ver­lauf des Hör­spiels deut­lich wird.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Gesund­heits­be­zo­gene Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien

Die Ger­ma­ni­sche Neue Medi­zin (GNM) wurde von Ryke Geerd Hamer ent­wi­ckelt. Hamer behaup­tete, alle Krank­hei­ten ent­stün­den durch einen ein­zi­gen, unge­lös­ten Kon­flikt – also einen schwe­ren see­li­schen Schock. Krebs zum Bei­spiel gelte als Reak­tion auf ein bestimm­tes per­sön­li­ches Erleb­nis. Medi­ka­mente und kon­ven­tio­nelle The­ra­pien seien nicht nur unnö­tig, son­dern schäd­lich.

Diese Lehre ist wis­sen­schaft­lich voll­stän­dig wider­legt. Sie ist gefähr­lich, weil Men­schen auf­grund die­ser Über­zeu­gun­gen evi­denz­ba­sierte medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen abge­bro­chen haben, mit teils töd­li­chen Fol­gen. Hamer ver­band die GNM mit anti­se­mi­ti­schen Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen: Er behaup­tete, u.a. jüdi­sche Ärzt:innen wür­den die GNM gezielt unter­drü­cken und nicht-jüdi­sche Pati­en­ten durch kon­ven­tio­nelle Medi­zin töten. Dafür wurde er in Deutsch­land und Frank­reich wegen Volks­ver­het­zung ver­ur­teilt.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Ger­ma­ni­sche Neue Medi­zin

CDL steht für ‚Chlor­di­oxid-Lösung‘. Es han­delt sich um eine Chlor­ver­bin­dung, die in bestimm­ten Online-Krei­sen als uni­ver­sel­les Heil­mit­tel für nahezu alle Krank­hei­ten ver­mark­tet wird. Doch CDL ist kein Heil­mit­tel, son­dern ein indus­tri­el­les Bleich­mit­tel. Die Ein­nahme kann zu schwe­ren Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen füh­ren: Übel­keit, Erbre­chen, Durch­fall, Atem­not und im schlimms­ten Fall lebens­be­droh­li­che Schä­den an Schleim­häu­ten und inne­ren Orga­nen. Den­noch wird CDL in bestimm­ten Foren und Tele­gram-Grup­pen als ‚unter­drück­tes Geheim­mit­tel‘ gehan­delt.

Anna kon­fron­tiert ihre Mut­ter mit der Beob­ach­tung, dass bestimmte Aus­sa­gen wie typi­sche Mar­ker von Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen klin­gen.

Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen haben typi­sche Merk­male:

  • Eine kleine, mäch­tige Gruppe han­delt im Ver­bor­ge­nen gegen das Wohl der All­ge­mein­heit.
  • Gegen­be­weise wer­den als Teil der Ver­schwö­rung inter­pre­tiert („Das sagen sie nur, damit wir es nicht glau­ben.“).
  • Wer zwei­felt, ist ent­we­der naiv oder Teil des Sys­tems.
  • Es gibt ein ‚Wir‘ (die Wis­sen­den, die Auf­ge­wach­ten) und ein ‚Die‘ (die Mäch­ti­gen, die Pro­fi­teure).

Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen ent­ste­hen oft aus ech­ten Bedürf­nis­sen: dem Wunsch nach Erklä­run­gen, nach Kon­trolle, nach Gemein­schaft.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Wie erkenne ich Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen? Wel­che Funk­tio­nen erfül­len sie? Worin lie­gen die Gefah­ren?

Ingrids Welt­bild wei­tet sich aus: Krank­heit wird zur mora­li­schen Schuld und bestimmte Men­schen gel­ten als unrein. Der Streit mit ihrer Toch­ter Anna eska­liert.

Was ist pro­ble­ma­tisch an Ingrids Welt­bild?
Wenn Krank­heit als Folge von ‚fal­schen‘ Gedan­ken, Wer­ten oder Her­kunft inter­pre­tiert wird, gehört das zu Ungleich­wer­tig­keits­ideo­lo­gie, das bedeu­tet, es gel­ten nicht mehr alle Men­schen als gleich wert­voll. Bestimmte Grup­pen wer­den als ‚krank machend‘, ‚unrein‘ oder ‚fremd‘ mar­kiert. Diese Denk­weise ist ras­sis­tisch, sozi­al­dar­wi­nis­tisch und hat eine

Ingrid zieht sich in ihre Über­zeu­gun­gen zurück, Anna zieht eine Grenze zum Schutz der Kin­der. Bezie­hungs­ab­brü­che zwi­schen Eltern und älte­ren Kin­dern oder auch in Paar­be­zie­hun­gen und in Freund:innenschaften gehö­ren zu den wesent­li­chen Aus­wir­kun­gen, die Betrof­fene berich­ten.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Wel­che Aus­wir­kun­gen haben Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen auf das soziale Umfeld?

Anna wen­det sich an eine Senior:innenberatungsstelle und nach kur­zer Ein­ord­nung durch die Bera­te­rin dort und nach Emp­feh­lung an eine spe­zia­li­sierte Fach­be­ra­tungs­stelle.

Nicht jede Bera­tungs­stelle ist auf Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien spe­zia­li­siert. Und das muss sie auch nicht sein. Wich­tig ist, dass Fach­kräfte, ob in der Pflege-, Sozial- oder All­ge­mein­be­ra­tung, in der Lage sind, erste Ori­en­tie­rung zu geben und an spe­zia­li­sierte Stel­len wei­ter­zu­ver­wei­sen.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Erste Hilfe für Fach­kräfte, Erste Hilfe für Betrof­fene und auf dem Bera­tungs­kom­pass Ver­schwö­rungs­den­ken

•Das Ende des Hör­spiels zeigt keine Lösung. Für Betrof­fene ist es wich­tig zu wis­sen: Es ist nicht ihre Auf­gabe, die ange­hö­rige Per­son zu ‚ret­ten‘. Was sie tun kön­nen, ist: den Kon­takt hal­ten, wo es mög­lich ist, eigene Gren­zen schüt­zen und sich selbst Unter­stüt­zung suchen.

Wei­tere Infro­ma­tio­nen: Erste Hilfe für Betrof­fene und auf dem  Bera­tungs­kom­pass Ver­schwö­rungs­den­ken

Mehr Infor­ma­tio­nen zu Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gie, Aus­wir­kun­gen auf Betrof­fene und Her­aus­for­de­run­gen für die Bera­tung und poli­ti­sche Bil­dung sowie Infor­ma­tio­nen zu Unter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten ste­hen auf die­ser Seite zur Ver­fü­gung: fachinfo-verschwörungsideologie.de

Wei­tere Infor­ma­tio­nen: Wel­che Aus­wir­kun­gen haben Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen auf das soziale Umfeld? Was sind Her­aus­for­de­run­gen für die Bera­tungs­ar­beit? Wel­che Hand­lungs- und Bewäl­ti­gungs­mus­ter haben Betrof­fene? und auf dem Bera­tungs­kom­pass Ver­schwö­rungs­den­ken

Wenn Ideologie zur Mauer wird

Zwischen Angst, Scham und Überforderung

Irgendwas kippt